Wieder daheeme

Liebe(r)   ,

 

Heute beginne ich, Hanna, also den Newsletter (die, mit den kürzesten Haaren 😉). Oh Wow. Die Reise geht zu Ende und die neue Frisur ist sicher nicht die einzige und erst recht nicht größte Veränderung durch diese Zeit. Zwei Monate - was für ein Wirbelwind, was für eine Gefühlsvielfalt, was für ein Impact, in doch so einer kurzen Zeit...

Ich sitze im Flieger und habe viele Tränen schon vergossen. Doch, der Abschied fällt mir - wieder einmal - richtig schwer und in meinem Kopf schwirren noch Geschichten, Schicksale von einzelnen Menschen und die Frage, womit ich ein so anderes Aufwachsen, einen so anderen Start ins Leben verdient habe. Oder anders herum: Haben die anderen Menschen das nicht auch?


Die letzte Woche, die ich eigentlich als entspannten Ausklang für mich allein in Kigali angedacht hatte, war doch noch einmal richtig turbulent, erlebnisreich, von sponaten Planänderungen und entsprechender Anpassungsfähigkeit geprägt. Und als besonders Highlight durfte ich auch in das lokale Leben noch tiefer eintauchen, erleben wie es ist für einen Menschen aus der "rural area", aus dem ländlichen Gebiet.

Diesen Kontrast zu erleben, tut jetzt schon weh. Während uns gerade in kleine Plastiktütchen eingeschweißte Kuchenstückchen und Chicken-Sandwiches ausgeteilt werden, essen einige meiner Freunde gerade zum x-ten mal Posho mit Bohnen. (Posho ist ein ein fester Getreidebrei aus Maismehl und Wasser, deutlich preiswerter als Reis.) Die geschmackliche Eintönigkeit ist hierbei noch nicht einmal das Problem. Ob sie sich mehr Vielfalt und Abwechslung wünschen würden, weiß ich gar nicht. Ein paar mehr Eiweise und Vitamine wären jedoch für ihre Körper sicherlich angenehm. Selbst wer Hühner besitzt, verkauft die Eier oft, um das Geld für preiswertere Dinge einzusetzen. Auch die bevorstehende Regenzeit wird eine fordernde Zeit für einige Familien sein. Steht da nun doch erst einmal die Saat, statt der Ernte bevor... Wie werde ich darauf nur klar kommen, wenn ich wieder in Deutschland bin? Wie kann das alles so gleichzeitig stattfinden? Gleichzeitig auf der gleichen Welt?

Doch lasst uns nun gern noch einmal zurück gehen. Was ist in der letzten Woche unserer Reise noch alles so geschehen?

Ziegenfieber kommt zum Ende


Die erste Ziege, welche übrigens auf einem Motortaxi zu uns geliefert wurde, löste bei mir noch unbekannte Gefühle aus. Hanna war gerade im Begriff, den Knopf zum Absenden des letzten Newsletters zu drücken und ich reagierte auf jegliche Fragen seitens meiner Reisegefährtin nur mit einem ungläubigen: "Hanna, da steht unsere erste Ziege?!"

 

Danach kamen direkt noch ein paar määähhr. Unser Hof füllte sich mit Leben und die Zäune (aus einer dichten, heckenartigen Bepflanzung bestehend) verloren sogleich an Blickundurchsichtigkeit. 

Für die Nacht beschlossen wir, unsere Schäfchen (Ziegen) ins trockne zu bringen.. 40 Ziegen in einen Klassenraum zu bugsieren, ohne dass welche dabei wieder entwichen war keine einfache Arbeit. 

Die letzten 20 Ziegen erreichen uns Mittwoch Nacht, Donnerstag war die Ausgabe geplant. 100 Ziegen zu verschenken und zu verteilen war ohne Zweifel ein besonderer Moment, auch wenn uns die Ausmaße bei der Bestellung noch nicht bewusst waren.


Donnerstag Morgen wurden Zelte aufgebaut, eines für die 100 Frauen und eines für die Abgeordneten der Regierung (zuständig für das Kayonza District) und uns. Hanna und ich schmunzelten über den grünen Rollrasen, der extra ausgelegt wurde und in einem unnatürlichen Kontrast zu der staubigen roten Erde stand.

Hanna begrüßte alle Frauen sehr herzlich. Einige kamen von weit her, waren überpünktlich und mussten deswegen noch besonders lange warten. 

Das Event startete mit einer tollen Trommeleinlage, dazwischen verschiedeneste Reden (wir hatten leider keinen Übersetzer zur Hand). Mein persönlicher Lieblingsteil war Hannas Rede, nachdem wir uns bei Zoe und John bedankt hatten und auch die Regierungsvertreter, unser Team und insbesondere euch als Spender!!! würdigten, lenkte sie den Fokus gekonnt auf "die eigentlichen VIPs" unserer Veranstaltung. 100 Frauen die wir mit einer Ziege ein kleines wenig unterstützen wollten und die von hier aus nun die wichtigste Arbeit allein bewältigen würden. Ihr "Gott segne dich" (auf Kinyarwanda - habe lange geübt dafür) ging im tosenden Applaus fast unter. 

Und dann war es soweit. Schnüre wurden vorbereitet Ziegen aus dem Klassenraum eingefangen und verteilt. Hanna und ich wuselten über den Platz, immerzu beschäftigt Fotos zu machen, zu helfen oder mit den Frauen ein paar Worte zu wechseln. Gruppenfotos wurden gemacht, Tränen verdrückt und als dann der Zug an 100 Frauen mit jeweils einer Ziege zum Ausgang der Foundation vorbei zog, war ich wirklich überwältigt von allen meinen Gefühlen. Was für ein Höhepunkt, was für ein epischer letzter Tag in der Foundation! 

Genocide Memorial

 

Meine letzten 1,5 Tage verbrachte ich gemeinsam mit Hanna in Kigali. Wir beide hatten den Wunsch das Kigali Genocide Memorial zu besuchen. Es war für mich eine sehr eindrückliche Erfahrung. Dieser Ort ist ein Denkmal und gleichzeitig die letzte Ruhestätte für etwa 250.000 Opfer des Genozids.

 

Fotografien, persönliche Gegenstände, Berichte von Überlebenden und Informationen über einzelne Opfer machen deutlich, dass hinter den großen Zahlen einzelne Menschen mit Familien, Hoffnungen und persönlichen Geschichten standen. Vitrinen voller Knochen und Schädel, manche zersplittert von der Wucht einer Machete. Räume voll mit Fotos von den Opfern.


Besonders die Ausstellung über die ermordeten Kinder hat mich schockiert. Kinder mit Träumen, eigenen Vorlieben, Familien und Persönlichkeiten. Auch Erlebnisberichte von Überlebenden und Wiederstandskämpfern bewegten mich tief.

 

Der Genozid begann im April 1994 und dauerte ungefähr 100 Tage. Auslöser der unmittelbaren Eskalation war am 6. April 1994 der Abschuss des Flugzeugs des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana. Danach begannen in Kigali und anschließend im ganzen Land systematische Massenmorde. Hauptsächlich wurden Tutsi verfolgt und ermordet, aber auch Hutu, die sich gegen den Genozid stellten, wurden getötet. Neuere UN-Darstellungen sprechen teilweise von mehr als einer Million Opfern.


Der Genozid hatte jedoch eine längere Vorgeschichte. Bereits seit Jahrzehnten bestanden politische Spannungen und Diskriminierungen zwischen Hutu und Tutsi. Deutschland trägt vor allem durch seine frühere Kolonialherrschaft eine historische Mitverantwortung. Während der deutschen und später belgischen Kolonialzeit wurden die Unterschiede zwischen Hutu und Tutsi verstärkt und als feste ethnische Gruppen dargestellt (ähnliche Untersuchungstechniken wie im Nationalsozialismus und Prägung durch den Rasse-Gedanken).


Frankreich unterstützte vor dem Genozid die damalige ruandische Regierung und war militärisch in Ruanda engagiert. Die USA und andere westliche Staaten griffen 1994 trotz der zunehmenden Gewalt nicht entscheidend ein. Auch die UNO reagierte zu spät und reduzierte sogar ihre Friedenstruppen, obwohl sich die Situation immer weiter verschärfte. Bis heute hat sich Deutschland nicht für seine Teilschuld entschuldigt. Das war für mich besonders hart. Als Deutsche vor dieser Tafel stehend zu wissen, dass es auch heute schon wieder menschenverachtende politische Ansichten und Tendenzen in unserem Land gibt.

 

Nach dem Besuch blieb bei mir vor allem ein Gefühl von Trauer und Nachdenklichkeit zurück. Gleichzeitig wurde mir klar, wie wichtig Erinnerung ist. Ein Genozid entsteht nicht plötzlich aus dem Nichts, sondern durch Diskriminierung, Propaganda, Entmenschlichung und politische Radikalisierung, die oft schleichender passieren, als uns bewusst ist. Die wichtigste Botschaft des Museums ist deshalb für mich: Erinnern bedeutet nicht nur, die Opfer zu ehren, sondern auch Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft zu tragen.

 

Die Frage, "When they said 'never again' after the Holocaust, was it meant for some people and not for others?" (Als sie nach dem Holocaust „Nie wieder“ sagten – war das für manche Menschen gemeint und für andere nicht?) ist eine eindrucksvolle Wandinschrift von Apollon Kabahizi, die im Kigali Genocide Memorial in einer der Hallen in verschiedenen Sprachen ausgehängt ist.


Eine Konfrontation mit dieser schmerzhaften Frage, nämlich warum die Welt bei Massenverbrechen oft tatenlos zusieht, und wie es passieren kann, dass menschliches Leben je nach Herkunft oder Identität unterschiedlich bewertet wird, erscheint mir heute eine elemetare Frage zu sein.

Mathe-Weiterbildung 


Vor einigen Wochen fragte ich Annick, die damals noch in der Küche hier arbeitete, was ich in meiner letzten Woche in Kigali denn schönes erleben könne. Ob sie mich beraten kann. "Worauf hast du denn am meisten Lust?" Die Antwort war mir damals sofort klar: "Am liebsten würde ich Lehrer in Mathe unterrichten, gemeinsam im Austausch sein." Ja, dieser Bildungs-Aspekt kam während dieser Reise bisher kaum vor und wollte ich doch gern auch das Material noch sinnvoll weitergeben. Ihr Vater sei Lehrer und so konnte er direkt mit dem Schuldirektor Termine für die letzte Woche vor den Ferien festlegen.


Ganz ehrlich: wenn ich gewusst hätte, wie turbulent und abwechslungsreich diese Zeit sein wird und wie wenig Schlaf sie mir bietet, hätte ich mich vermutlich nicht dafür entschieden. Doch da der Termin seit Wochen vereinbart war, nahm ich ihn nun auch als Priorität.

8:00 sollte ich am Mittwoch in der Schule sein, wo ich auch zunächst freudig begrüßt und anschließend zum Warten auf die Lehrer eingeladen wurde. Gegen 10 starteten wir zu 4. Die Stimmung war zunächst etwas verhalten, wurden die Lehrer doch am selben Tag zwischen 8 und 9 über ihre Teilnahme informiert und arrangierten sich entsprechend noch mit der Situation. Mir hat es Freude bereitet, mit ihnen im Austausch zu sein, zu diskutieren, wie man die Motivation für Mathe steigern könne und sie meine neue Methodik, um Variablen, Terme und Gleichungen bildlich zu veranschaulichen, erleben und ausprobieren zu lassen.

Ich liebe diesen Moment, wenn es knistert in der Luft und Menschen über einer Aufgabe tüfteln. Zwischendrin mache ich immer wieder die Meta-Ebene auf: (Wie) Könnte das im eigenen Unterricht integriert werden? Was lernen junge Menschen in eben genau jenem Schritt? Was ist beim letzten Versuch schief gegangen und was können wir nun anderes probieren?

Sie sind wirklich gut dabei und haben auch ihren Spaß. Natürlich stellt die Klassenstärke von 50 bis 60 Lernenden in den älteren Stufen eine zentrale Herausforderung dar. Einer der Lehrer erzählt mir auch schon von seinen Wünschen nach einem neuen Job, weil die Bezahlung für Lehrer eher mau sei...

 

Steht unser Schulsystem im internationalen Vergleich doch nicht so schlecht? Auch die kostenfreie Teilnahme am Unterricht ist nicht selbstverständlich, wie mir in diesem Land bewusst wird. In einem Gespräch mit den Tourguides erwähne ich, dass in Deutschland viele junge Menschen gar nicht gern zur Schule gehen; nicht verstehen, warum sie das tun müssen. Diese Sätze stoßen auf ziemliches Unverständnis, ist doch Bildung in ihrem Augen ein wesentlicher Schlüssel zur Möglichkeit auf Erfolg. Ob es nun Spaß macht oder nicht, scheint gar kein so relevantes Kriterium zu sein.

Auch sehr spannend war für mich der Blick in die Unterbringung für Lernende von weiter weg (Bild links: Schlafsaal der Jungen). Wo sie denn ihre persönlichen Gegenstände lagern würde, frage ich mich. Als mir erklärt wurde, dass es inzwischen so viele Anmeldungen gäbe, dass sich zwei Jungen oft ein Bett teilten, verstand ich besser, warum jeder mit der Möglichkeit, bei seiner Familie zu wohnen, dies bevorzuge... Kein 2er-Zimmer-Internat-Feeling.

Jedenfalls kann ich die Materialien in der Schule (und einen kleinen Teil für jüngere Kinder auch in der Foundation) lassen und hoffe einfach, dass sie wertbringend verwendet werden. Mal sehen, ob es da bei möglichen zukünftigen Reisen wieder Anknüpfungspunkte und Folgeprojekte gibt. Alle bedankten sich für den Lehrgang und lobten mich wertschätzend. Hier weiß man jedoch nie so richtig, wie viel das auch einfach mit meiner Hautfarbe zusammen hängt. Da ein Lehrer jedoch die Materialien direkt für seine eigenen Kinder mit nach Hause nehmen wollte, wird es ihm schon gefallen haben. Ich hoffe einfach, dass möglichst viele Menschen davon profitieren. (Deswegen sind sie nun auch im Schulfundus statt im Privatbesitz.)

Taschenkurs

 

Wie schon im 4. Newsletter vorgestellt und zwischendurch auch angeteasert: zum Taschenkurs gibt es noch einiges zu berichten. Los ging es an einem Dienstag um 8 Uhr (afrikanische Zeit). Ich bin also 7.50 Uhr mit John nochmal in die nahegelegene Dorfmitte gefahren um letzte Besorgungen zu machen und als wir zurück kamen, waren doch schon einige Frauen versammelt. Da warscheinlich keine von ihnen mehr Englisch als ich Kinyarwanda sprechen konnte, (besonders damals noch weniger als gegen Ende der Reise) setzte ich mich einfach zu ihnen und wartete, bis die Lehrerin auch mir die ersten Schritte der Flechttechnick vorführte.

Die Stimmung war am Anfang doch noch recht ernst, das besserte sich aber nach den ersten Tagen, als die anfängliche Frustration verflog die einen gewöhnlich heimsucht, bevor das Muskelgedächtnis die nötigen Bewegungen verinnerlicht hat. Auch Maria (eine der Kursteilnhmerinnen) trug nachhaltig durch fröhliches (aber für mich unverständliches) Geplapper zu einigem Gelächter dazu bei. Mit der Flechttechnick wird eine lange Kette produziert indem abwechselnd die Blätter von den beiden unterschiedlichen Bananenpflanzen miteinander verwoben werden. Als ich schon recht stolz die ersten 1,5 m geflochten hatte, kam Jen vorbei und testete wie sich das Ende meiner Bananenschlange als Armband eignen würde, daraufhin kam die Lehrerin und nähte sogleich fest. Da ergriff ich die Gelegenheit mit meinen Kinyarwanda-Kentnissen zu glänzen, deutete auf Jen die nun im Grunde angeleint neben mir stand und sagte: "Ihene" (Ziege). Allgemeines Gelächter war die Folge und das Eis war gebrochen. 

Am Anfang starte der Kurs mit 9 Frauen. Zoe erklärte mir, dass obwohl einige Frauen große Interesse am Kurs angemeldet hatten, nicht teilnehmen könnten, da sie Zuhause für die 7h am Tag einfach nicht entbehrlich waren und der Bagmaking-Kurs ähnlich wie der Tourguide-Kurs für seine Ausbildungsdauer eine tägliche Anwesenheitspflicht voraussetzt. 
Es fiehl mir ein wenig schwer zu akzeptieren, dass besonders bedüftige Frauen sich keiner situationsverbessernde Tätigkeit widmen konnten, nur weil beispielsweise keine Babysitterin gefunden oder bezahlt wurden konnten. Dabei hätte Eva (wenn sie noch länger hätte bleiben können) liebend gern eine Kindertagesbetreung angeboten. So konnten aber trotzdem auch noch andere Frauen von der Warteliste nachrücken.

Kontinuierliches dabei sein half Vertrauen zu gewinnen wie es wahrscheinlich nur möglich war, weil wir über lange Zeit an einem Ort blieben. So wurde die Ecke, in der die Frauen von 8-15 Uhr saßen und webten zu einem willkommen Ruheort im tubulenten Alltag in der Foundation. Oft wurde ich sogar von den Frauen hergewunken und dann teilten sie ihre mitgebrachten Bananenpflanzenblätter mit mir, bis John, Zoe oder Hanna riefen und ich meine Arbeit temporär zur Seite legen musste. Bald kannte ich schon viele Namen und eine besondere Freude für mich war, als Jen das nächste Mal zum Bestaunen vorbei kam, fragte: "How is the Umuzungu doing?" (Wie schlägt sich die Weiße?) und als Antwort bekam: "Umuzungu ohya – Katja" (Weiße nein – Katja).

 

Nach langen Schnüren folgt das Zusammennähen in den verschiedensten Formen zu Taschen, Körben, Hüten ect. Als Nähfaden werden Streifen aus den gewebten ruandanischen Gemüsesäcken verwendet. Äußerst nachhaltig und clever.

 

Mir wurde erst später klar, dass diese Frauen hier nicht nur die Möglichkeit haben einen neuen Skill und damit eine Einkommensmöglichkeit zu erlernen, sondern dass allein diese Zeit und die Anwesenheit von nur Frauen einen geschützten Raum kreiert. Es erübrigt sich eigentlich zu sagen, dass die Frauen und ihre Atmosphäre mir wirklich sehr ans Herz gewachsen sind.

Meine beste Kinyarwanda Lehrerin war Solange, die ihr ja schon aus dem letzten Newsletters etwas kennt. Oft zeigte sie auf Kleidungsstücke und kleine Tiere und wiederholt so lange, bis ich ihrer Meinung nach richtig betonte. (Ich hatte das Gefühl, dass ich exakt dasselbe wiederholte.) Naja, so kam ich also zu einem wunderlichen Wortschatz von den normalen Arbeitsutensilien bis hin zu schnarchen und Fußnagel.

 

Abschied nehmen von Allen und Allem war am schwersten. Für die Frauen aus dem Bagmaking-Kurs hatte ich eine kleine Rede vorbereitet und sie mir von einer der Tourguides übersetzen lassen.


So ein emotionaler Moment lässt sich schwer beschreiben oder überhaupt in Worte fassen (wie passend, denn die Atmosphäre war ja auch ohne Sprache, durch etwas Tieferes geprägt). Tränen flossen und mir wurden nochmal letzte Bananenpflanzenblätter gereicht und jemand zeigte auf meinen unfertigen Korb, den ich hatte zurücklassen wollen. Ich sagte ihnen, dass ich hoffte, dass sie sich ihrer individuellen Stärke und ihrer Stärke als Gemeinschaft bewusst sind. Gern hätte ich mehr von ihren Gesprächen verstanden oder von ihren Lebensgeschichten gekannt.


Das Ende kam plötzlich und unvermeidbar. Hatte ich doch aber eine Bonuszeit erleben dürfen, nachdem ich kurzerhand meinen Flug nochmal eine halbe Woche verschoben hatte, um auch noch dem Ziegenevent beizuwohnen. Und bekanntlich ist jedes Ende der Anfang von etwas Neuem. Das Neue beinhaltet viel Dankbarkeit für viele uns selbstverständlich erscheinenden Dinge und sämtliche Erfahrungen, Erkenntnisse, Freundschaften, die ich in Ruanda gewonnen habe. Viele Geschichten und Vergleiche sind so in mein Hirn gemeißelt, dass ich sie nie vergessen werde. Ich bin verändert nach Deutschland zurückkehrt, aber auf die beste Art und Weise.

Hanna und ich (Eva) haben nun auch schon das erste Mal offiziell vom Projekt und der ganzen Reise in Ruanda berichtet. Katja war leider schon zu neuen Ufern aufgebrochen und konnte nicht dabei sein. In unserer heimatlichen Gemeinde durften wir uns über viel Interesse im Seniorenkreis, den unsere Mutter seit einiger Zeit ehrenamtlich anleitet, freuen. Wie ihr auf dem letzten Bild sehen könnt, sind die anfänglich mit Periodentassen und Mathe-Materialien gefüllten Koffer voll ruandischer Handarbeit zurückgekommen. Diese möchten wir zu unseren Vorrägen mitbringen. Zum Zeigen und gegen Spenden auch zum Abgeben. Solltet ihr noch Orte kennen, an denen Menschen einem Bericht interessiert gegenüber stehen würden, gebt uns gern einen Tipp! Auch falls ihr gern einmal live einem Vortrag lauschen und zuschauen möchtet und eure Fragen loswerden möchtet, könnt ihr uns gern schreiben, dann könnten wir euch einen speziellen Tipp geben, wenn es mal wieder eine Möglichkeit gibt. Es war auf jeden Fall sehr schön, sich so vielen neugierigen Fragen stellen zu dürfen. 

 

Ach und in einer Sache muss ich Hanna noch berichtigen - inzwischen (beim Schreiben der letzten Zeilen dieses Rundbriefs) bin ich schon wieder die mit den kürzesten Haaren. ;D 

So verabschieden wir uns nun wieder von euch.

Fühlt euch gegrüßt und wenn ihr wollt geküsst von euren nicht mehr staubigen Reisemäusen.

 

Muraveho,

Katja, Eva und Hanna!

 

PS: Wer noch nicht seit Anfang an dabei ist oder einfach noch einmal stöpern will, findet die alten Newsletter übrigens hier:

Falls Du diesen Newsletter nicht mehr erhalten möchtest, kannst Du Dich hier abmelden.