Pots, Pots, Pots und jede Menge Segen

Die vergangenen Tage erlebten wir rein quantitativ als noch erlebnisreicher als unsere erste Woche hier im schönen Ruanda, weshalb sich auch der angedachte Tornus von einer Woche für das erscheinen dieses Briefes etwas zu verschieben scheint.  

Wir kommen kaum aus dem Staunen heraus darüber, wie die Kreise sich schließen und neue 

beginnen und wir scheinbar einfach nur wie Sterntaler dazustehen brauchen und die Schätze auffangen dürfen, die da bereit für uns und somit auch für die Menschen vor Ort sind.

Im letzten Newsletter hatten wir betont, dass wir uns über Rückmeldungen freuen, auch wenn sie z.B. enthalten, dass unser Bericht so lang sei, dass „keine Sau“ ihn lesen würde. Daraufhin erreichten uns von einem Freund folgende Bilder:

Da auch das sonstige Feedback Interesse an längeren Textpassagen verlauten lies, müssen nun also alle, die sich nicht getraut haben, uns mitzuteilen, dass sie an einer kürzeren Version interessiert sind, da durch (bzw. dürfen sich einfach die Bilder anschauen). Das Prinzip: Hanna schreibt in grün und ich, Eva, in blau, bleibt ebenfalls bestehen. 


Außerdem haben wir uns überlegt, vielleicht in jedem Newsletter eine Person von hier etwas näher vorzustellen. In der heutigen Ausgabe für euch also:            ANNICK

Annick ist die junge Frau, die hier den Haushalt schmeißt, sprich die wunderbar für oder mit uns kocht, vor allem aber im Shop hier arbeitet. In diesem werden verschiedene handgemachte Güter der Menschen vor Ort an mögliche Touristen verkauft, wobei der Fokus auf dem Lohn für die Menschen vor Ort für ihre handwerkliche und kreative Arbeit liegt. Bislang haben wir tatsächlich keine Touristen zu Gesicht bekommen, dennoch kauft der Leiter John einer Frau und ihren Töchtern 3 Säcke voller Tontöpfe ab, die sie ca. 15km zu Fuß hergebracht haben, „to support them and their work“, wie er uns erklärt. Wenn jedoch eine Touristengruppe kommt, scheint auf einem Mal also viel verkauft zu werden und Annick ist gut beschäftigt, wie sie uns pantomimisch dargestellt hat, wir hoffen also sehr, dass wir einen dieser Tage noch mitbekommen dürfen.

Die 21jährige ist aus der Hauptstadt Kigali und möchte dort an der Universität studieren. Fast alle ihrer Freundinnen und Freunde studieren bereits (in der Stadt sind die Leute oft privilegierter als hier in der ländlichen Region, in der die Menschen in der Regel als Farmer arbeiten), sie hatte bisher aber nicht die finanziellen Mittel. Sie versucht also in der Arbeit hier, für die sie vor ca. 3 Wochen von zuhause weg in dieses Dorf gezogen ist, Geld für ihr Studium zu sparen, dass sie hofft im Oktober, oder wenn es dort noch nicht ausreicht, im neuen Jahr beginnen zu können.

Annick hat einen Zwillingsbruder und zwei weitere Geschwister. Sie hört gern die 2015er Hits von Adele und würde vielleicht gern mal einen Weißen heiraten, die Postfächer sind also offen ;)

 

Für unseren Kurs ist sie besonders wichtig geworden, weil sie ziemlich gut englisch spricht und uns also in der Übersetzung unterstützen kann. Dies macht sie auch wunderbar, sehr schnell hat sie einen guten Draht zu den Mädchen und jungen Frauen aufgebaut und gestaltet die Stimmung positiv. Wie wir bereits erzählten besonders im Bezug auf die Periodentassen, für die sie ja unsere erste Testerin war und nun quasi unsere Öffentlichkeitsarbeit übernimmt, was das Thema angeht. Sie lacht viel, besonders über uns, die wir (für ihren Blickwinkel und Erfahrungshorizont) wohl doch oft etwas verrückte Ideen haben, worauf sie dann oft verängstigt lachend mit „Maybe you have to ask John first?“ („Vielleicht solltet ihr zuerst John fragen?“) antwortet oder uns auch wie eine liebevolle Helikoptermama beim ersten Versuch Wasser zu holen auf dem Gepäckträger eines Nachbarn sitzend abholt und uns am Tag darauf bei der tatsächlichen Umsetzung der Idee lieber begleitet.

Am Montag der vergangenen Woche (20.07.) fragte John uns, ob wir den vormittäglichen Unterricht für die zukünftigen Tourguides übernehmen könnten. Sein Gedanke: Wir könnten ihnen aus unserer Sicht als mögliche Touristen zeigen, was uns während eines Tages im Nationalpark wichtig wäre, was die Guides beachten sollten. Nichts toller als das: wir überlegten, dass es doch das Beste sei, wenn die Lernenden sich einfach selbst ausprobieren dürfen. In kleinen Impros stellten wir also gemeinsam mit der Weltreisenden Fuka aus Japan, die für diese Woche mit in der Organisation lebte, die verschiedensten Arten von Touris dar. Vom nervigen „Wann kommen endlich die Elefanten?!“-Kind über die japanischen Foto-Touristen bis hin zur schwerhörigen Großtante war alles dabei. Anschließend reflektierten wir natürlich noch das Gesehene bzw. Erlebte und wie sie als Guides ihr jeweiliges Verhalten noch weiter verbessern könnten. Ein Punkt, der uns bei fast allen auffiel, war die unzureichende Lautstärke, die bei größeren Gruppen doch wirklich zum Problem werden könnte. 5 Minuten später stand sich die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt am jeweiligen Ende des großen Raums gegenüber und riefen sich Begrüßungsformeln zu (Stichwort SENDEN), während Hanna und Fuka als „Autos“ zwischen ihnen hin und her liefen und ordentlich „Verkehrslärm“ erzeugten. In solchen Situationen frag ich mich doch oft, an welcher Stelle ich falsch abgebogen bin. Nun ja, die Klasse meldete uns später zurück, dass sie die Übung durchaus hilfreich fanden und sich nach den Stunden selbstbewusster fühlten. Ich war nur froh, dass John in diesem Moment nicht herein kam, das didaktische Konzept unseres Unterrichts hätte ich ihm vor lauter Lachen jedenfalls nicht darlegen können.

In unserem Kurs haben wir den jungen Frauen letztens eine Tafel Schokolade spendiert, statt den heißbegehrten Keksen, die wir gern spielerisch in den Unterricht einbauen wenn wir z.B. ein Einkaufsgespräch auf Englisch üben und sie plötzlich die vorher bereitgelegten Kekse „kaufen“ können. Es sei das erste mal in ihrem Leben gewesen, dass sie die braune Köstlichkeit probierten. Entsprechend sparsam verteilten wie sie, um erst einmal zu testen, wie die Mägen, die sonst vor allem (Koch-)Bananen, Reis und Bohnen kennen, darauf reagieren.


Wir lernen nicht nur Ruandas Geschichte immer besser kennen, die wir heute in einer weiteren Tourguide-Lesson gemeinsam mit den wichtigsten deutschen bzw. europäischen historischen Ereignissen besprachen. Auch über das heutige Leben hier erfahren wir immer mehr. So lernten wir z.B. auch am Samstag den „Umuganda“, den nationalen Cleaning-Day kennen, der an jedem letzten Samstag des Monats stattfindet und tatsächlich von 18-65 Jahren verpflichtend ist. Von 8-11 Uhr ruht das normale Arbeitsleben, die Geschäfte bleiben geschlossen und man hat sich an gemeinnützigen Arbeiten zu beteiligen. Hier im Dorf bedeutet das, dass mindestens eine Person pro Familie zum jeweiligen Ort des gemeinsamen Schaffens geht. Als auch wir uns auf den Weg machten, rechneten wir nicht damit, beim CLEANING-Day (engl. für Reinigung) dreckiger zu werden, als je zuvor während unserer Zeit hier. Da es mindestens hier im Dorf auch darum geht, besonders arme Menschen zu unterstützen, stand also ein gemeinsamer Hausbau an. Während Hanna und Fuka sich vor allem in der Grube zur Mörtelgewinnung mit Boden-heraus-hacken und Mörtel-weich-tanzen verausgabten, konnte ich mich eher beim Mörteln und Abdichten austoben. Die Stimmung war auf jeden Fall da und wir natürlich begeistert über diese tolle und effiziente Art der gegenseitigen Unterstützung für die, die es wirklich brauchen.

Da John in seiner Jugend täglich insgesamt 14km zur Schule hin und zurück gelaufen ist, wissen wir nie so richtig, was genau er meint, wenn etwas „nicht weit weg ist“.

Wir machen uns einfach auf alles gefasst, während wir neben ihm die Straße entlang schlendern. Auch für unsere morgendliche Laufrunde (die eigentlich eher per Zufall entstand als John Eva witzelnd fragte, ob sie am nächsten Tag mit ihm joggen gehen würde) haben wir folgende Prozedur als die sinnvollste Variante ermittelt:

 

Der ehemalige Läufer in Ruandas nationalem Team für Marathon steht bereits 5:00 auf, um allein eine Runde zu drehen, ehe er uns dann 6:00 für die zweite, deutlich kürzere weckt. So konnten wir bereits herrliche Landschaften und den Sonnenaufgang bestaunen, während die Temperaturen noch erträglich sind. Unsere erste Runde absolvierten wir alle komplett ohne Schuhe, da wir in der Stadt schliefen und nur FlipFlops bei uns hatten – ging auch... war sogar schön... und schmerzhaft.

Etwas ungewöhnlich ist es für uns, so viele Geldscheine bei uns zu haben. Der ruandische Franc ist in seinem Wert deutlich unter dem Euro. Der Wechselkurs schwankt um die 1: 0,000594 (bzw. 1: 1683,50) Der wertvollste Geldschein ist mit der Ziffer 5000 bedruckt, also weniger wert als unsere 5€ (ca. 2,97€). Das Portmonee ist somit bereits sehr gut gefüllt, wenn wie um die 100€ abheben. Ein seltsames Gefühlt. Die kleinste Münze, die ich bislang in den Händen hielt, waren 100RWF, also ca. 6ct und damit kommt man auf dem Markt schon erstaunlich weit – vor allem mit einem Einheimischen an der Seite, um keine Abazungu-Preise zu bekommen. (Es gibt wohl noch 20RWF-Münzen (ca. 1ct), doch dafür gibt es höchstens eine kleine Süßigkeit.) Wenn Menschen also davon ausgehen, alle Weißen seien reich – ich möchte meinen, das geschieht größtenteils zu recht.

 

An diesem Montag wurde uns dann ganz spontan eine besondere Ehre zu Teil, als John uns fragte, ob wir Teil eines Bewerbungsgesprächs sein wollten, allerdings nicht auf Bewerberseite. Zwei junge Männer wollten nun auch dem gerade begonnenen 6-monatigen Tourguide-Training für den hiesigen, größten Nationalpark Ruandas beiwohnen. (Der Akagera-Nationalpark im Osten Ruandas misst 1.122 Quadratkilometer bestehend aus Savanne Seen, Feuchtgebieten und Akatienwäldern.) Im kurzen Gespräch ging es vor allem darum, deren Englisch-Kenntnisse zu testen. 

So saßen wir also in unserem feinsten Zwirn (Hanna legte ein Tuch um und ich zog mein ultimatives Sonnen-schutzhemd über, die Hosen, die inzwischen rot vor Staub waren, sah man hinter dem Schreibtisch ja nicht) zu viert dem jeweils sehr nervösen Bewerber gegenüber und wendeten größte Bemühungen auf, ob der überraschend-absurden Situation ernst und seriös zu bleiben.

Bei der anschließenden Überlegung, ob ihre Englisch-Kenntnisse ausreichen würden, meinten John und die anwesende Zoe, dass es schon mal gut sei, dass sie die Fragen verstanden hatten. Bei dem ersten großen Auswahlverfahren hätte es hier schon bei vielen gehapert. Wir begriffen also, dass das Vertrauen in ihren nun folgenden persönlichen Prozess groß ist und überredeten John ihnen gleich live zuzusagen anstatt später per Telefon. Nach einigem „Und, was denkst du, wie war es?“ „Ich glaube, es könnte gut gewesen sein.“ „Du glaubst oder du weißt?!“ von Zoe war es wunderschön, die große Freude der beiden Männer über ihre Zusage zu sehen. Einen der beiden sahen wir noch auf der anderen Straßenseite, wie er überglücklich am Telefon die frohe Botschaft zu verkünden schien. Für mich war dies nicht nur besonders, da ich bisher ja nur die andere Seite kannte, in der man sich vor Aufregung fast einscheißt und dann schließlich eine Zusage einen so positiv aus der Fassung bringt. Vor allem zu sehen, dass dieses Programm, für dass sie ja täglich teils weite Wege zu Fuß auf sich nehmen, keinerlei Bezahlung erhalten und gleichzeitig in der Zeit ja nichts anderes arbeiten können so eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu bedeuten scheint, war wundervoll. Am Dienstag durften wir ein zweites Mal die Tourguide-Lesson gestalten und als einer der zwei Neuen sich vorstellen sollte, stand er einfach nur lächelnd-aufgeregt da und betonte, wie sehr er Gott dankte, dass es hart gewesen sei, aber nun alles gut werden würde.

 

Nach dem ersten Aufklärungsworkshop für die jungen Frauen und der feierlichen Übergabe der ersten Menstruationstassen, war ein weiterer Meilenstein für unser Projekt das Eintreffen der ca. 30 ersten Töpfen, die zum Auskochen der Menstruationstassen dienen. Dazu möchten wir euch herzlich das Schauen unseres kurzen Videos nahelegen, vielleicht versteht man da die Geschehnisse der letzten Tage am besten. Dieses findet ihr entweder auf Instagram („Die lange Reise der Töpfe für die Periodentassen“) oder im Projekt-Reiter unserer Website (https://lebendig.me/ruanda/projekt.html) :D

 

Zwar wäre es aus hygienischer Sicht kein Problem das vorhandene Küchen-Equipment zu nutzen, doch die lokalen Leiter der Organisation merkten gleich zu Beginn an, dass dies Schwierigkeiten bringen könnte. So versuchten wir erst eine Lösung mit Konservendosen zu finden, entschieden uns dann aber aufgrund der lokalen Kochsituation auf offenem Feuer doch für richtige Töpfe, für die es sogar noch eine großzügige Zusatzspende gab. Vielen Dank! Die Beschaffung der Pots, wie wir sie hier liebevoll nennen, umfasste über einige Tage gestreckt Besuche auf verschiedenen Märkten. Erst sollte der handelsübliche, faire Preis ermittelt werden, wofür wir stets einen Mindestabstand von 10m zu John einhielten. Hier kauften wir jedoch gar nichts, weil am Wochenende ein Freund mit dem Auto kommen sollte. Da wäre es doch viel leichter, die Pots zu transportieren. Als besagter Freund, ein inspirierender Mann aus Ungarn, dann tatsächlich mit dem Auto kam, suchten wir einen anderen Markt auf, da ja ein ganz anderer Wochentag war. Dort ergab sich tatsächlich nur eine Ausbeute von 3 Töpfen in der gewünschten Qualität – inklusive der umliegenden Läden, von denen einer sogar extra noch einmal öffnete für uns. Nun ja. So fuhr John schließlich am Montagmorgen noch einmal nach Kabarondo los, wo er diverse Läden (so ca. 7 bis 8) leer kaufte, weil natürlich keiner so viel auf Lager hatte. Die Ausbeute kam per Motor-Taxi dann tatsächlich an, während wir gerade wieder über die Tassen aufklärten und spontan den weiblichen Teil der Gruppe der Tourguides mit eingeladen hatten. 


Wir sind gespannt, wie nun die anderen Töpfe noch ihren Weg zu uns finden. Doch vorerst organisieren wir die Bestellung der Solar-Lampen, welche wir nun über bright-products bestellen wollen. Das Dorf, in dem wir leben, hat ja keinen Stromanschluss, sodass viele Leute 18:00 aufgrund der Dunkelheit ins Bett gehen. Außerdem könnten die Bilder-Englisch-Wörterbücher dann auch noch nach Einbruch der Dunkelheit studiert werden,– insbesondere auch dann, wenn wir schon nicht mehr in der Nähe sein werden.

Für mich waren die Marktbesuche doch so eindrücklich, dass sie mich auch in meinen nächtlichen Träumen noch viel begleiteten. An jedem Stand Menschen die hofften, besonders uns als Weißen etwas verkaufen zu können, nochmal ihr Angebot zurecht legten und dann enttäuscht wurden, wenn wir kein T-Shirt aus bangladescher Kinderarbeit wollten. Bei den Fischständen vorbeigehend, konnte ich gut verstehen, warum Grenouille so komisch geworden war. Wie hielten die Verkäuferinnen und Verkäufer diesen permanenten Gestank nur aus? Zwischen all dem die Kinder der Aussteller die mit verkauften, im Dreck saßen oder gerade gestillt wurden. Auf der Suche nach Töpfen in mehreren Läden einer Einkaufsstraße folgte uns ein vielleicht 6jähriges Mädchen den gesamten Weg über. John meinte, egal was wir ihr geben würden, sie würde es nehmen, denn wenn man nichts hätte, freut man sich über alles. Gerade als wir ihr noch etwas mehr zu essen kaufen wollten, war sie verschwunden, wahrscheinlich weil es dunkel wurde und sie sich auf den Heimweg machte.

Als uns ein junger Mann aus dem Dorf zum Abendessen besucht, nutzen wir direkt die Gelegenheit ihm Fragen zu stellen, weil er dankenswerter Weise sogar etwa englisch spricht. Wie die Leute in der Gegend über John reden, ob er sich erinnern kann, wie alles vor 8 Jahren begonnen hat und und und.


Er erzählt, dass die Menschen sehr dankbar sind für das, was er tut. Einen Empfangsmasten habe er dem Dorf auch ermöglicht - durch tägliches Nachhaken bei der zuständigen Stelle, wie wir später von John erfahren. Und früher…? Da sagten die meisten, er sei verrückt als er seinen bezahlten Job im Nationalpark aufgegeben hat, um „von morgens bis abends in seinem Haus zu sitzen, for nothing!“ (für nichts). In mir schmunzelt es, während ich an die vielen Formulare und Formalitäten denke, die mit meiner Gründung vor wenigen Jahren einher gingen. Ich stelle mir vor, wie John eben jenen Prozess an seinem Schreibtisch durchläuft, während die vor allem körperlich arbeitenden Menschen (Wasser holen, Gemüseanbau,…) im Dorf sich fragen, was da eigentlich vor sich geht.


John erklärt uns immer wieder, dass er nicht aufhören könne, das zu tun und ich kann es so gut verstehen. Das wäre es, was ihn zufrieden macht. Freunde in seinem Alter leben längst in der Hauptstadt Kigali und verstehen nicht, warum er immer wieder an einem Ort ohne Strom im Zelt schläft - oder so wie letzte Nacht kurzum im Büro. Sie verstehen nicht, warum er Lehrer bezahlt für diese Kinder, die kaum Geld haben, um in die Schule zu gehen. Seine eigene Mutter habe damals ihr komplettes Grundstück verkauft, damit er weiterhin zur Schule gehen kann. Die wenigsten Schulen sind hier kostenfrei. Und sie habe ihn immer unterstützt und ermutigt, weiter zu machen. Wie schade, dass wir sie nicht treffen können. Bis vor zwei Jahren habe sie im Haus nebenan gelebt, ehe sie leider verstarb. Ganz ruhig erzählt John aus seinem Leben, wie er beim Bau des Unterrichtsgebäudes jede Spende nach und nach nutzte, sobald 10 oder 15 Dollar gespendet wurden, kaufte er ein weiteres Fenster, ... Material für's Dach... und es ging es Schritt für Schritt voran. Er erzählt von seinem Projekt für Kinder mit Beeinträchtigung, was er für die Zukunft plant, erzählt von der Solar-betriebenen Wasserpumpe in einer Region mit höherem Altersdurchschnitt, die er realisieren mag, sobald das Geld vorhanden ist… wir reden, hören, sitzen beieinander und die Stille der Nacht breitet sich langsam um uns aus. Da ist auch ein Moment, der keine Worte braucht.

 

Insgesamt wird die Stimmung mit den Menschen um uns herum immer besser. John findet zwischen massenhaft Businesscalls immer noch genug Zeit, mit uns eine Runde „Just-Dance“ zu tanzen. Die Nachbarskinder warten lange vor der Organisation, bis sie jemanden von uns mit lautem Jolen zum Frisbee spielen begrüßen (meist Eva). Wir haben den ruandischen Brauch, seine Gäste nach der Verabschiedung noch ein wenig auf deren Heimweg zu begleiten, auch immer öfter nach unseren Kursen übernommen. So als große Gruppe durchs Dorf zu ziehen ist ein besonderes Gefühl und bietet Raum für noch privatere Gespräche (z.B. über das Alter und Aussehen unseres lieben Bruders...). Musik lockt nicht nur uns immer wieder zu unserem alten, singenden Nachbarn sondern letztens auch Kinder wie Jugendliche zu einer spontanen abendlichen Tanzparty.

 

Wie immer freuen wir uns, von dir, zu hören und danken herzlich für all eure andauernde Unterstützung!

 

Fühlt euch gegrüßt und wenn ihr wollt geküsst von euren staubigen Reisemäusen. 

Muraveho, Hanna und Eva!