Mwaramutse liebe Freundinnen und Freunde, liebe Familie und anderweitig Interessierte,

Schön, dass ihr euch für unsere Reise interessiert!


(Empfehlung: NICHT auf dem Handy lesen, andere Formatierung, selber Inhalt)


Eure diesmalige Karla Kolumna des Vertrauens bin ich, Eva (die mit den kürzeren Haaren), meine Schwester Hanna und ich werden uns aber bestimmt nach Lust und Laune mit den dokumentarischen Ergüssen abwechseln.

Nachdem die letzten Tage für uns beide durchaus eine kleine emotionale Achterbahnfahrt waren, sitzen wir nun vorfreudig und müde am Frankfurter Flughafen. Nicht nur der ein oder andere Abschied, sondern tatsächlich auch die große und vielseitige Unterstützung, die uns von den verschiedensten Seiten aus entgegenkam, rührte uns sehr an. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das große Vertrauen in uns und unser Projekt nicht auch ein wenig nervös macht. Waren wir selbst doch noch nie in Afrika, kennen die Menschen vor Ort noch gar nicht persönlich und konnten bei unseren Vorbereitungen in Deutschland nur einen Teil der äußeren Bedingungen überhaupt ansatzweise einschätzen. Aber ich möchte mich von unseren Unterstützerinnen und Unterstützern inspirieren lassen und auch darauf vertrauen, dass wir die Antworten auf so manch offene Frage noch finden werden.

Die vergangene Woche waren Hanna und ich mit allen möglichen letzten Vorbereitungen beschäftigt, von Impfungen übers Medikamente kaufen, Informationsmaterial zusammenstellen und übersetzen lassen bis hin zu Zoll- und Visumsfragen. Ich wurde außerdem beim Druck der Hefte, die jedes Mädchen zu unserem Kurs bekommen soll, äußert positiv vom Mitarbeiter des Copyshops überrascht, der den Preis im Alleingang von über 400€ auf 300€ herunterhandelte. Irgendwie hatte ich das bei Kuhhandel anders herum gelernt… ;)

Hanna hat ihre Wohnng für mögliche Zwischennutzungen bereit gemacht (so sauber war die Wohnung noch nie) und ist 36 km mit dem Fahrrad und 2 Stunden mit der S-Bahn gefahren, um zwei „Zu Verschenken“-Koffer und ein kleines Solarpanel von Kleinanzeigen-Nutzenden abzuholen.

Unsere persönlichen Habseligkeiten passen nämlich super ins Handgepäck, aber wir haben nun drei Aufgabe-Gepäckstücke, welche nur mit Sachspenden und Kursmaterial gefüllt sind. Neben allerlei mathematisch-didaktischen Kostbarkeiten stellen einen Großteil natürlich die über 200 Periodentassen dar, die wir (irgendwann im fabrikähnlichen Akkord) so klein wie möglich umpackten.

Warum wir überhaupt Periodentassen mitbringen wollen? In Ruanda ist es ein echtes Problem, dass viele Mädchen und junge Frauen aufgrund fehlender Hygieneartikel während ihrer Periode nicht wirklich das Haus verlassen können und also auch nicht zur Schule (bzw. zum Arbeitsplatz) gehen können. Hierzu lassen sich unterschiedliche Zahlen finden, aber in Afrika allgemein kann man von bis zu 20% der Unterrichtszeit sprechen, die Mädchen durch ihre Periode verpassen. Teilweise führt zu häufiges Fehlen sogar zum Ausschluss aus der Schule, was für die Zukunft der jungen Frauen natürlich fatal ist. Die Periodenartikel fehlen deshalb, weil sie mit wiederkehrenden Kosten einhergehen. Auch wenn Ruanda schon 2019 die Mehrwertsteuer auf Damenbinden abgeschafft hat, um die „Period Poverty“ (=„Periodenarmut) zu minimieren, steht der Kauf von Hygieneprodukten oft in Konkurrenz mit dem von Lebensmitteln. Dieses Problem würden Periodentassen als (bei guter Pflege) lebenslang verwendbares Hygienematerial nachhaltig beheben. Gleichzeitig ist es so, dass selbst die Nutzung von Tampons oft ein kulturelles und religiöses Tabu in Afrika darstellen. Wie und ob die Periodentassen als Produkt vor Ort angenommen werden, bleibt also vorerst offen. Im Gespräch mit Diama, einer Frau aus Kigali und Mitarbeiterin der Organisation, mit der wir zusammenarbeiten, stellte sich heraus, dass man definitiv ausgiebig darüber sprechen und über die Nutzung und Bedeutung der Tassen aufklären sollte, aber auch sie scheint zuversichtlich. Außerdem ist uns ein Projekt bekannt, dass in unterschiedlichen Teilen Afrikas (unter anderem auch in Nachbarländern Ruandas) eine ähnliche, erfolgreiche Arbeit macht, was für uns natürlich ermutigend ist. Wir bleiben auf jeden Fall gespannt!

Eine besonders große Unterstützung stellten kurz vor der Abreise nochmal unsere Eltern dar. Sie fuhren mit uns schon gestern, einen Tag vor Abflug nach Leipzig, wo wir uns in Hannas Wohnung den letzten Kleinigkeiten, die einem kurz vor der Angst eben noch so in den Sinn kommen, annahmen. So braucht zum Beispiel nicht nur die Pilotin heute freie Sicht…

5:28 Uhr fuhr unser Zug dann am Leipziger Hbf los und da wir uns doch gegen eine 12stündige Reise mit dem Deutschlandticket entschieden hatten, kamen wir bereits 3 1/2 Stunden später und mit etwas üppiger gefüllten Schlafkonten in Frankfurt an, wo wir nun also auf die große Eröffnung unseres Gates warten.

Ihr müsst aber (so das Internet mitspielt) wahrscheinlich gar nicht so lang auf den zweiten Newsletter warten, wie auf den ersten. Wie bereits in diesem, wollen wir natürlich gern auch eure Fragen oder Anmerkungen aufgreifen, also falls ihr uns etwas mitteilen wollt, scheut euch nicht! (zum Beispiel an ruanda@naechsteschritte.de)

Den ersten Newsletter möchte ich nun mit den weisen Worten unserer lieben Oma Heidi beenden: „Neugierig muss man bleiben, sonst wirds langweilig!“

In dem Sinne, fühlt euch herzlich gegrüßt und/oder gedrückt und reba vuba!


Hanna & Eva


(Und nein, mehr kinyarwanda können wir noch nicht :))

PS: Inzwischen ist das Boarding schon im vollen Gange... Noch 10m bis zum Flugzeugeingang, seid gnädig mit uns... Heute keine Perfektion. :)